Arts-based Learning von Soft Skills


im Projektmanagement von Veranstaltungen

Projektbeschreibung

Sowohl in der Wirtschaft als auch im Dritten Sektor hat Kreativität das Fachwissen als Schlüsselressource abgelöst. In einer Umwelt, die von zunehmender Komplexität und Dynamik sowie von einer Tendenz zu kooperativen Arbeitsformen mit globaler Reichweite geprägt ist, fordern Innovations- und Managementprozesse personale und soziale Kompetenzen wie z. B. Flexibilität, Ambiguitätstoleranz, Kommunikationsfähigkeit und interkulturelle Kompetenz. Für das Projektmanagement von Veranstaltungen gilt das in besonderem Maße.

Als Konsequenz vollzieht sich gegenwärtig einerseits ein Paradigmenwechsel hin zu agilen Methoden und Prozessen und andererseits eine Öffnung zu kunstbasierten Methoden der Organisations- und Personalentwicklung wie z. B. zum Unternehmenstheater. Arts-based Learning ist ein Sammelbegriff, der eine recht große Bandbreite von Zielsetzungen, Ansätzen und Methoden umfasst, die in nicht-künstlerischen Disziplinen zu pädagogischen Zwecken eingesetzt werden [17] [11]. Das entscheidende Element von Arts-based Learning ist es, Arbeitsprozesse der bildenden oder darstellenden Kunst, der Poesie, der Musik oder des Tanzes zu simulieren und für die Persönlichkeitsentwicklung zu nutzen [10] [14]. Welche Effekte kunstbasierte Trainingsformate (Arts-based Learning) auf die Entwicklung von Soft Skills, vor allem von sozialen und personalen Kompetenzen der Teilnehmer:innen haben und wie erfolgreiche Formate unter Berücksichtigung solcher Wirkungen konzipiert sein müssten, ist jedoch erst ansatzweise erforscht.

Vor diesem Hintergrund hat das Vorhaben drei Ziele:

  1. Entwicklung und Evaluation von Kompetenzprofilen für das Projektmanagement von Veranstaltungen unter besonderer Berücksichtigung personaler und sozialer Kompetenzen (Ermittlung des Kompetenzbedarfs);
  2. Design von theater- und tanzbasierten Trainingsmodulen zur Vermittlung von personalen und sozialen Kompetenzen mit besonderer Relevanz für Projekt- und Veranstaltungsmanagement (Entwicklung anwendungsorientierter Lösungen zur Deckung des Kompetenzbedarfs) und
  3. Nachweis der Wirkung kunstbasierter Trainingsmodule auf den individuellen Kompetenzerwerb (Evaluation der Kompetenzentwicklung)

Problemstellung

Klassische, auf das Training von Routinen ausgerichtete Formate in der Personalentwicklung eignen sich nur bedingt für den Erwerb von denjenigen sozialen und personalen Kompetenzen wie Selbstorganisation oder Durchsetzungsvermögen, die Methoden wie agiles Projektmanagement und Scrum verlangen. Kunstbasierte Formen erfahren in der Unternehmenspraxis seit Mitte der 1990er Jahre eine größere Aufmerksamkeit, weil sie nicht den Erwerb von Fach- und Methodenwissen in den Mittelpunkt stellen, sondern personale und soziale Kompetenzen [2].

Forschungsfragen

  1. Welche Kompetenzen sind im besonderen Maße beim Projektmanagement von Veranstaltungen von Bedeutung? Wie wirken sie sich bei der Aufgabenbewältigung aus?
  2. In welchem Maße wirkt sich Arts-based Learning auf den Erwerb der erforderlichen personalen und sozialen Kompetenzen in diesem Anwendungsfeld aus? Wo liegen Potenziale und Grenzen des Ansatzes?
  3. Wie unterscheidet sich die Wirkung von Arts-based Learning von den Effekten nicht-kunstbasierter Lehr- und Lernformen? Welche Vorteile hat der Ansatz im Vergleich zu Formaten, die auf die Vermittlung expliziten Wissens über die genannten Kompetenzbereiche abzielen?
  4. Wie müssen kunstbasierte Trainings inhaltlich und formal gestaltet sein, um einen möglichst großen Effekt auf die Entwicklung von Teilnehmer:innen zu haben? Entfalten Trainingsformate mit Theater- und Tanzbezug unterschiedliche Wirkungen?

Forschungsstand

Die Definition von Kompetenzanforderungen für das Projektmanagement von Veranstaltungen erfolgt zumeist ohne empirische Grundlage aus der Analyse der Aufgaben, Verantwortungsbereichen und Befugnissen [14][4] oder aus den notwendigen Kenntnissen und Fähigkeiten im Veranstaltungsmanagement [6]. Die wenigen Studien, wie eine Befragung von 21 Expert:innen aus dem Veranstaltungsmanagement [5] oder von 16 Eventmanager:innen [1], bleiben qualitativ. Quantitative Studien zu den personalen und sozialen Kompetenzen im Projektmanagement von Veranstaltungen existieren nicht.

Arts-based Learning wird in der Literatur erhebliches Potenzial zugeschrieben. Demnach haben kunstbasierte Trainings positive Effekte auf Kompetenzen wie Wahrnehmungsvermögen und Kreativität und wirken positiv auf Sozialkompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsfähigkeit und interkulturelle Kompetenz [15] [4]. Die empirische Fundierung dieser Hypothesen zu Arts-based Learning ist jedoch unbefriedigend. Nur wenige Untersuchungen nehmen gezielt personale und/oder soziale Kompetenzen in den Blick und schlüsseln diese auf. Die vorliegenden Studien sind überwiegend qualitativ angelegt. Fast alle sind auf einmalige und/oder zeitlich begrenzte Lernarrangements beschränkt. Die aussagekräftigsten Analysen beziehen sich auf Arts-based Learning von Kindern, Jugendlichen oder Studierenden [5] [9] [8]. Die wenigen Analysen, die den Kompetenzerwerb im Rahmen von Weiterbildung in den Blick nehmen, betreffen das weit gefasste Feld Management bzw. Führung [7] [16] [13]. Die Anwendung von Arts-based Learning im Projektmanagement im Allgemeinen wie im Projektmanagement von Veranstaltungen im Besonderen wurde noch nicht untersucht.

Methodisches Vorgehen

Im ersten Schritt sind auf Basis eines entwickelten Leitfadens mit ausgewiesenen Expert:innen Interviews zu erfolgsrelevanten Verhaltenserwartungen von Projekt- und Veranstaltungsmanager:innen ermittelt worden. Darüber hinaus wird mit leitfadengestützten Interviews überprüft, welche personalen und sozialen Kompetenzen für diese Personengruppe relevant sind. Für die Entwicklung eines Kompetenzmodells erfolgen anschließend die Clusterung der Verhaltensweisen und die Operationalisierung der Komponenten anhand konkreter Beobachtungsanker.

Im zweiten Schritt wurden zusammen mit qualifizierten Künstler:innen theater- und tanzbasierte Trainingsmodule entwickelt und umgesetzt, die geeignet sind, den ermittelten Kompetenzlücken zu begegnen. Für die Durchführung wurden über die am Projekt beteiligten Unternehmen Proband:innen herangezogen, die in Unternehmen Aufgaben im Projekt- bzw. Veranstaltungsmanagement wahrnehmen.

Im dritten Schritt, der die Umsetzung der Trainings begleitet und ggf. zu einer Revision der Module führt, ist in einem Experimental-Kontrollgruppen-Design die Wirkung der Weiterbildung auf die individuellen Kompetenzen der Proband:innen ermittelt worden. In diesem Schritt wurden Kontrollgruppen eingesetzt, die ohne künstlerische Komponenten trainiert wurden. Die Ebenen Lernen und Verhalten wurden dabei jeweils vor dem Training sowie nach den Interventionen erhoben. Auf der Stufe des Lernens wurde zusätzlich zur subjektiven Selbsteinschätzung ein objektiver Test entwickelt und mit den Proband:innen durchgeführt.

Ergebnisse Qualitative und Quantitative Studie

Referierte Publikationen

Sandberg, Berit (2021). Spielerisch aus der Krise: Projektmanagement mit künstlerischem Mindset. Projektmanagement Aktuell, 32. Jg., 2021, H. 3, S. 4-9, DOI: 10.24053/PM-2021-0041.

Vortrag
Sandberg, Berit. Mind the gap: Workshop satisfaction and skills development in art-based learning. 4th International Academic Conference on Teaching, Learning and Education, Berlin 13.03.2022.

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Fachartikel download

Hier werden in Kürze die Fachartikel veröffentlicht.

Quellen:

  1. Arrow upAbson, Emma (2017). How Eventuell Managers Lead: applying competency school theory to event management. Event Management, 21 (4), 403-419
  1. Arrow upAdler, Nancy (2006): The Arts & Leadership, in: Academy of Management Leadership & Education, 4/2017, S. 486-499
  1. Arrow upBobel, Tilo (2008): Logistikorientiertes Management von Events, Berlin
  1. Arrow upBowdin, Glenn Allen J./O’Toole, William/Harris, R./McDonnell, Ian (2011): Events Management, 3. Aufl., Abingdon
  1. Arrow upDICE Consortium (2010): The DICE has been cast, online unter URL: http://www.dramanetwork.eu/file/Policy%20Paper%20long.pdf [30.07.2018]
  1. Arrow upEMBOK (2013): EMBOK knowledge domains, online unter URL: http://www.embok.org/ index.php/embok-model/domains [30.06.2016]
  1. Arrow upGibb, Stephen (2004): Arts-based training in management development, in: Journal of Management Development, 8/2004, S. 741-750, DOI: 10.1108/02621710410549594
  1. Arrow upGoldman, Kate Haley/Yalowitz, Steven/Wilcox, Erin (2016): The Art of Science Learning, online unter URL: http://www.artofsciencelearning.org/wp-content/uploads/2016/08/ AoSL-Research-Report-The-Impact-of-Arts-Based-Innovation-Training-release- copy.pdf [30.07.2018]
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